Ich liege neben
meine Schwester im Etagenbett. Obwohl es 2 Etagen hat und wir uns ständig die
Köpfe einschlagen, schlafen wir dennoch zusammen im unteren Bett.
An diesem Abend
ist meine Mama nicht da, sie ist mit ihrer besten Freundin und einem Freund
aus.
Plötzlich geht
das Licht an und die Türe langsam auf. Zuerst bin ich leicht verwirrt, denn das
geschieht eigentlich nur wenn Mama nachts von der Arbeit kommt.
Nach mehrmaligem
Blinzeln erscheint ein Schatten vor meinen Augen und ich sehe meinen Vater über
uns gebeugt.
Was will er nur
von uns?
Leicht rüttelt
er an meine Schulter und sagt: „Jessica, komm bitte mit ins Wohnzimmer.“
Ohne meinen
Daumen aus dem Mund zu nehmen, antworte ich ihm mit „Nein“.
Meine Schwester
jedoch nimmt er schlaftrunken mit.
Die Augen noch
zu überlege ich was wohl los ist. Mein Vater hat meine kleine, süße Schwester
mit ins Wohnzimmer genommen und das mitten in der Nacht. Irgendwas stimmt da
nicht.
Ich habe lange
überlegt was mich dazu bewegte, aber eine Antwort fiel mir dennoch nicht ein.
Was brachte mich
dazu auch nur im Entferntesten daran zu denken? Ich weiß es nicht und
vielleicht will ich es auch gar nicht mehr wissen.
Mein einziger
Gedanke ist: „Was ist, wenn er sie anfasst? Was soll ich nur tun, wenn er sie
dort berührt, wo er sie nicht berühren darf?“
Ich stehe also
auf und schleiche langsam in Richtung Wohnzimmer. Ohne Licht. Ohne ein
Geräusch. Ohne zu atmen.
Als ich vor der
geschlossenen Türe stehe, halte ich inne und schaue durch das Schlüsselloch.
Da sitzt sie
schlafend auf seinem Schoß, angezogen und ihr Gesicht bedeckt von ihren
hübschen, braunen Löckchen.
Er schaukelt sie
in seinen Armen und weint wie ein Baby, …ja, wie ein Baby. Mit Rotz‘, Tränen
und roten Augen.
„Es ist alles in
Ordnung“, denke ich mir. Er berührt sie nicht in ihrem Schritt. Macht keine
bösen Dinge mit ihr.
Ich gehe wieder
ins Bett – ich bin 6 Jahre alt.